Denkwerkstatt: JugendMentoring e.V.
Mentoring im Übergang Schule-BerufZum Begriff Mentoring
In Literatur und Praxis wird der Begriff „Mentoring“ unterschiedlich verwendet und häufig mit verwandten Konzepten vermischt. Wer nach einer einheitlichen Definition von Mentoring sucht, wird nicht fündig. In zahlreichen Veröffentlichungen zum Themenkomplex „Mentoring“ wird daher häufig auf die historischen Wurzeln verwiesen, die bis in die griechische Mythologie zurückreichen. In der Odyssee von Homer sorgt sich Odysseus um die Erziehung seines Sohnes Telemachus und bittet seinen Freund, den Gelehrten Mentor, sich in seiner Abwesenheit um seinen Nachkommen zu kümmern. Mentor führt den jungen Telemachus in die Gesellschaft ein und unterstützt ihn mit seinen Erfahrungen und Kontakten. Er wird so für den jungen Telemachus Berater, Erzieher, Vaterfigur und Vertrauter. Mit der ersten Mentorenschaft in der griechischen Antike wird der Name Mentor zum Begriff für eine geachtete und gebildete Person, die eine jüngere und weniger erfahrene Person begleitet und berät (vgl. Heinze 2002, 23; Haasen 2001, 8).
In dem Bildungsroman „Les Aventures de Tèlèmaque“ greift der französische Schriftsteller und Erzieher Fènèlon Ende des 17. Jahrhunderts dieses Bild wieder auf. Mit diesem Werk setzte sich die Idee des Mentoring als Initiationsprozess durch, womit das Prinzip beschrieben wird, wonach ein junger Mensch von einem älteren Menschen auf der Suche nach seiner Identität begleitet und unterstützt wird (vgl. Schliesselberger/Strasser 1998, 16).
Die Geschichte von Mentor und Telemachus begründete somit die Mentoring-Tradition, die seither in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft immer wieder aufgegriffen wird.
Eine vorläufige, relativ weit gefasste Definition von Mentoring lautet:
„Eine (berufs)erfahrene und meist ältere Person (Mentor) bietet einer jüngeren Person (Mentee) hierarchieübergreifend Unterstützung, Beratung, Zugang zu Netzwerken und informellen Informationen und begleitet sie so für einen Zeitraum in ihrem (beruflichen) Werdegang.“ (Popoff 2005, 43)
In Abgrenzung zu anderen (Personal-)Entwicklungskonzepten – insbesondere zu Coaching und Beratung – wird Mentoring als übergeordnetes Konzept verstanden und ist langfristiger und strategischer angelegt (vgl. Löther 2003, 10). Im Unterschied zu Coaching, basiert Mentoring in der Regel auf ehrenamtlichem Engagement, ist persönlicher und die erworbenen und praktizierten Erfahrungen stehen im Mittelpunkt (vgl. Heinze 2002, 28). Mentoring kann jedoch auch Coaching-Prozesse beinhalten, welche stärker auf die konkrete, fachliche Problemlösung ausgerichtet sind (vgl. Dolff/Hansen 2002, 10f).
Quelle: Jugend-Mentoring in Deutschland, J.Ehlers Seite 20 – 21