Denkwerkstatt: JugendMentoring e.V.

Mentoring im Übergang Schule-Beruf

Arten und Formen von Mentoring

Die klassische Form des Mentoring, ist die one-to-one Beziehung zwischen Mentor und Mentee, häufig auch Tandem genannt (vgl. Löther 2003, 21). Es existieren darüber hinaus aber noch andere Formen wie Gruppen-, Peer- und vernetztes Mentoring (vgl. Pophoff 2005, 45; Löther 2003, 21).

Beim Gruppenmentoring begleitet und berät ein Mentor eine Gruppe von Mentees. Hierdurch kann eine größere Anzahl von Mentees erreicht und der Koordinationsaufwand reduziert werden. Außerdem wird durch die Gruppenkonstellation der Austausch und die Vernetzung innerhalb der Zielgruppe gefördert. Nachteilig kann sich jedoch die geringere Intensität sowie die zwangsläufig reduzierte Individualität der Mentoring-Beziehung auswirken (vgl. Pophoff 2005, 45f).

Beim Peermentoring liegt der Schwerpunkt auf der Selbstorganisation der Beteiligten, die sich in Gruppen zusammenschließen, um sich themenspezifisch auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen. Während des Prozesses bilden sich immer neue Mentoring-Konstellationen, in denen jedes Mitglied sowohl Mentor als auch Mentee sein kann (vgl. Pophoff 2005, 46).

Beim vernetzten Mentoring arbeitet ein Mentee mit mehreren Mentoren für jeweils spezifische Bedürfnisse zusammen (vgl. Löther 2003, 21). Der Vorteil dieser Form liegt in der andauernden Wahlmöglichkeit des Mentees, den geeigneten Mentor für ein besonders Anliegen zu finden.

Diese „erweiterten“ Formen von Mentoring stellen die Netzwerkbildung in den Vordergrund und versuchen, die in den Mentoring-Beziehungen entstehenden Abhängigkeiten zu reduzieren. Da jedoch Tandembeziehungen in den meisten Mentoring-Projekten die Regel sind, soll auch in der vorliegenden Arbeit dieser Ansatz im Mittelpunkt stehen.

Informelles und formelles Mentoring

Die Weitergabe von Erfahrungen und Wissen gehört zum beruflichen Alltag. Vor allem Männer sind häufig in informellen beruflichen Netzwerken, den sogenannten „Old-Boys-Networks“, organisiert um ihre „Erbhöfe“ durch gegenseitige „Vereinbarungen“ und geknüpfte „Seilschaften“ zu sichern (vgl. Dolff/Hansen 2002, 15). In einer solchen Konstellation spricht man von „informellem“ oder auch „natürlichem“ Mentoring.

Das informelle Mentoring hängt allein von der Initiative und dem Engagement der Beteiligten ab. Es entsteht meist zufällig, besteht solange beide Seiten die Beziehung als „fruchtbar“ erleben und endet spontan. Die Ziele und Inhalte werden von den Mentoring-Partnern frei gewählt und es wird in der Regel keine konkrete Vereinbarung abgeschlossen (vgl. Haasen 2001, 27).

Beim formellen Mentoring hingegen, ist die Beziehung in eine Programmstruktur eingebettet, welche in der Regel ein grobes Handlungsfeld vorgibt. Eine Projektkoordination führt die Beteiligten zusammen (Matching 2.2.3) und liefert im Idealfall ein Begleitprogramm (vgl. Pophoff 2005, 44). Eine häufig genutzte Möglichkeit, der Mentoring-Beziehung einen formellen Charakter zu geben und die gegenseitige Verbindlichkeit herauszustellen, ist eine Mentoring-Vereinbarung (vgl. Heinze 2002, 143; Havenith/ Martin/ Petersen 2003, 46). Neben Regelungen über die vorläufige Dauer, Inhalte und Zielsetzungen, schafft die Vereinbarung Transparenz über persönliche Erwartungen und Vorstellungen (vgl. Hasen 2001, 245f). Die Programmleitung kann dem Tandem eine Mustervereinbarung zur Orientierung zur Verfügung stellen, es sollte jedoch Raum für individuelle Vereinbarungen gelassen werden (vgl. Haasen 2001, 210).

Basierend auf einer großen Anzahl von Studien zum informellen und formellen Mentoring im Jugendbereich liefert Colley eine übersichtliche Zusammenfassung der Extrempunkte. Mentoring spielt sich in der Regel zwischen diesen Polen ab (vgl. Colley 2003, 165):

Informell

Formelll

Ungeplant

Geplant

Absolut Freiwillig

Eingeschränkte Freiwilligkeit

Ausschließlich individuelle Ziele

Politische und institutionelle Ziele

Hohe Verhandlungsmöglichkeit über Ziele und Inhalt

Eingeschränkte Verhandlungsmöglichkeit

Oft ähnlicher sozialer Hintergrund

Soziale Unterschiede

Starker Grad der Intensität

Niedriger bis mittlerer Grad der Intensität

Selbst gesuchte Freundschaft

Beziehung künstlich durch den Matching-Prozess zusammengeführt

Undefinierter Zeitrahmen

Festgelegter Zeitrahmen

Weniger externe Anweisungen

Beeinflusst durch externe Anweisung

Schwer zu beobachten

„Monitored“ – Evaluiert anhand spezifischer Kriterien

Angesiedelt in vertrauter Umgebung

Angesiedelt in institutioneller Umgebung

Beziehung zur weiteren sozialen Umgebung (Kollegen, Freunden, Familie etc.)

Fokus auf das Individuum

Unabhängig von Finanzierung

Finanziell gefördert und abhängig

Tabelle <!–[if supportFields]> SEQ Tabelle \* ARABIC <![endif]–>1<!–[if supportFields]><![endif]–>: Formelles- und Informelles-Mentoring

Colley kommt in ihrer Arbeit zu dem Schluss, dass informelle Mentoring-Beziehungen häufig effektiver gestaltet sind als die Begleitung und Förderung durch formelles Mentoring. Hieraus schlussfolgert sie, dass formelle Mentoring-Programme die Erkenntnisse über informellen Beziehungen weitestgehend einbeziehen und die folgenden Aspekte so weit wie möglich berücksichtigen sollten (vgl. Colley 2003, 165):

· geringe Kontrolle von außen

· starke Gewolltheit und Freiwilligkeit von beiden Seiten, des Mentors und des Mentee

· Ziele an den Mentoring-Partnern orientieren und nicht an der Organisation

· Entscheidung über die Ziele sollten im Tandem getroffen werden

· großzügiger Zeitrahmen

· künstlich hergestellter Beziehung Raum geben, damit sie sich in eine freiwillige Freundschaft entwickeln kann

· Evaluation auf der Basis von Einschätzung der Beteiligten und deren Wahrnehmungen

· Bewusstsein über den Kontext innerhalb dessen Mentoring stattfindet

Quelle: Jugend-Mentoring in Deutschland, J.Ehlers Seite 22-25

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